EAFPS What is a facial plastic surgeon? Facial Plastic Surgeons in Germany - Plastische Gesichtschirurgie in Deutschland

Ausbildung zum HNO-Facharzt und Kopf-/Halschirurgen mit Zusatzbezeichnung „Plastische Operationen“ in Deutschland

Nach einem erfolgreich abgeschlossenen 6-jährigen Studium der Humanmedizin erlangt der Student die Vollapprobation.
Danach beginnt seine klinische Ausbildung in einem geeigneten akademischen Lehrkrankenhaus oder einer Universitätsklinik.
Die Weiterbildungszeit für den HNO-Facharzt beträgt 5 Jahre. In dieser Zeit muss der angehende Facharzt sämtliche Operationen die im Weiterbildungskatalog gefordert sind, entweder im Beisein eines Facharztes oder, bei technisch einfacheren Eingriffen, auch selbstständig operieren und demonstrieren.
Das Spektrum umfasst neben Eingriffen an Halsweichteilen (solitäre Lymphknotenentfernung, Narbenkorrektur, Neck dissection etc.) und im Gesicht (Hauttumorresektion und einfache Defektrekonstruktionen, Assistenzen bei Parotisoperationen und N. fazialis-Darstellung), die funktionell-ästhetische Nasenchirurgie, wobei Eingriffe an der Nasenscheidewand und den Nasenmuscheln zahlenmäßig überwiegen. Die Septorhinoplastik ist erfahrenen Fachärzten oder Oberärzten überlassen.
Weiterhin führt der Assistent endoskopische Nasennebenhöhleneingriffe durch. Er assistiert alle großen Tumoroperationen im Kopf-/Halsbereich  inklusive der plastischen Defektrekonstruktionen mit freien, mikrovaskulär-anastomosierten Lappen oder gefäßgestielten Lappen.
Außerdem kann er sein Gefühl für Ästhetik bei der Durchführung von Ohrmuschelanlegeplastiken schulen.

Als HNO-Facharzt kann man fakultativ nach einer 2-jährigen Schulung die Prüfung „Plastische Operationen“ ablegen. Der Erhalt dieser Zusatzbezeichnung weist den HNO-Arzt als erfahrenen Chirurgen aus, der vor allem das Gebiet der funktionell-ästhetischen, als auch plastisch-rekonstruktiven Rhinochirurgie, die Trachealchirurgie, die operativen Maßahmen der Ohrmuschelrekonstruktion, die Chirurgie des erschlafften Oberlids sowie die Defektdeckung großer Wundareale im Gesichts/Halsbereich mit lokalen, regionalen, gefäßgestielten oder freien Lappen beherrscht.
Die Mikrochirurgie des Mittelohres, des N. fazialis und dessen Rekonstruktion sowie die endoskopischen Tumorresektionen der Frontobasis runden das Bild ab.

Eine mündliche Prüfung beendet diesen Teil der praktischen Ausbildung der letztlich eine mindestens 7-jährige Ausbildung zertifiziert.

Die Zusatzbezeichnung „Plastische Operationen“ können neben den HNO-Fachärzten auch Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen nach ihrer Facharztanerkennung anstreben. Im Rahmen der 2-jährigen Weiterbildung soll die fachliche Kompetenz der konstruktiven und rekonstruktiven Wiederherstellungschirurgie zur Verbesserung der Form, Funktion und Ästhetik in der Kopf-Hals-Region intensiviert werden. Hierbei ist besonders die ästhetische Gesichtschirurgie einschließlich Narbenkorrekturen und Eingriffen zur Konturverbesserung zu erwähnen. Lappenplastiken unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade gehören zum operativen Weiterbildungskatalog.

Die enge Verbindung zum dem Tätigkeitsfeld plastisch-rekonstruktive und ästhetische Gesichtschirurgie kommt besonders bei der Weiterbildung des Plastisch-ästhetischen Chirurgen zum Ausdruck. Hier können laut Weiterbildungsordnung 12 Monate aus einer anderen Facharztweiterbildung (HNO oder MKG) angerechnet werden. Obwohl die plastisch-ästhetisch tätigen Chirurgen explizit „in allen Körperregionen“ tätig sein dürfen, prädestiniert sie ihre Ausbildung selbstverständlich auch für Behandlungsverfahren im Kopf-Hals-Bereich. Hierbei sind Eingriffe mit mikrochirurgischen-, Laser-, Ultraschall- und minimalinvasive Techniken aufgeführt, insbesondere Nah- und Fernlappenplastiken mit und ohne Gefäßanschluß.

Der Facharzt für Dermatologie hat im Rahmen seiner Weiterbildung auch Erfahrungen bei der Exzision von malignen und benignen Gesichtshauttumoren sowie der Rekonstruktion kleinflächiger, meist einschichtiger Defekte sammeln können. Er verfügt über Kenntnisse der freien Hauttransplantation sowie über die Anwendung von lokalen und regionalen Lappenplastiken. Des Weiteren kann er Gewebeexpandertechniken anwenden.

Operativ tätige Augenärzte können gemäß ihrer Ausbildung plastisch-rekonstruktive Lidchirurgie unter Verwendung von nahen und regionären Lappen praktizieren. Zusätzlich können sie ästhetische Korrekturen bei einer Dermatochalasis des Ober- und Unterlids durchführen.

(sinngemäß zitiert aus Weiterbildungsordnung LÄK BW, Stand: 04/2011).

In Deutschland bestehen zahlreiche Möglichkeiten sich in Fachgesellschaften oder Arbeitsgruppen mit dem Gebiet Ästhetische oder/und Plastisch-rekonstruktive Gesichts-/Halschirurgie zu befassen. Die APKO (Arbeitsgemeinschaft Plastische, rekonstruktive und ästhetische Kopf-/Hals-Chirurgie) oder EAFPS (European Academy of Facial Plastic Surgery) gehören zu den Mitglieder-stärksten Fachverbünden. Die Aufnahme ist nur möglich, wenn 2 unabhängige Fachkollegen für den Applikanten bürgen.

Der EAFPS gehören derzeit über 900 Fachkollegen an, sie ist damit die größte Vereinigung von Plastischen Gesichtchirurgen. Sie steht allen Fachgebieten offen, die sich mit der plastischen Gesichtschirurgie befassen, einschliesslich Hlas-Nasen-Ohrenheilkunde,  Dermatologie, Augenheilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie sowie Plastisch-ästhetische Chirurgie.

Die Integration unterschiedlicher Fachdisziplinen unterstreicht den Wunsch und den Willen der EAFPS die Ausbildung zum Gesichtschirurgen auf höchstem Niveau multidisziplinär durchzuführen. Diese Vernetzung ermöglicht einen permanenten interdisziplinären Wissensaustausch und öffnet den Blick auf alternative chirurgische Behandlungskonzepte.

Es besteht über das Präsidium der EAFPS ein enger Kontakt und Austausch zur AAFPRS, der amerikanischen Vereinigung Plastischer Gesichtschirurgen.

M. Scheithauer, 15.04.2012